Erblindung


Als eine der fünf Sinneswahrnehmungen des Menschen ist das Augenlicht unglaublich wertvoll. Es ermöglicht uns die Orientierung in unserer Umgebung, denn zum Beispiel der Autoverkehr arbeitet zum großen Teil mit visueller Kommunikation durch Verkehrsschilder oder Lichtsignalen. Aber abgesehen von solch einem pragmatischen Nutzen ist das Sehen ein großer Teil dessen, wie wir die Welt erleben. Wir nehmen so Kunst wahr, können die Stimmungslage unseres Gegenübers am Gesicht ablesen und verspüren Glück und Freude, wenn wir im Urlaub die Sonne über dem Meer untergehen sehen oder einen alten Freund zufällig auf der Straße sehen. Wenn uns dieses Fähigkeit genommen wird, bedeutet es deshalb eine grundlegende Beeinträchtigung und Veränderung in unserem Leben.

Die Auseinandersetzung mit dem teilweisen oder vollständigen Verlust des Augenlichts reicht bis an den Anbeginn der Menschheit zurück. So kennen wir das Motiv des blinden Sehers aus der griechischen Mythologie, und auch in der Bibel wird von der Heilung eines Blinden durch Jesus berichtet. Die Iustitia, deren Augen verbunden sind, symbolisiert die Gerechtigkeit im Rechtswesen, die blind für den sozialen Status der Menschen ist. Prominente Persönlichkeiten wie die Musiker Ray Charles oder Stevie Wonder sind Beispiele für blinde Menschen des Zeitgeschehens. Auch im täglichen Sprachumgang kennen wir Redewendungen wie „auf einem Auge blind sein“ oder im Englischen „to turn a blind eye towards something“ (auf Deutsch vergleichbar mit „bei etwas wegsehen“im Sinne von „etwas schweigend dulden“).

Ursachen

Eine Erblindung kann viele verschiedene Ursachen haben. So kommen manche Menschen bereits ohne Augenlicht auf die Welt, da durch einen Geburtsfehler Teile des Sehorgans oder die Verbindung zwischen Sehorgan und Gehirn fehlen. Eine genetische Veranlagung kann ebenfalls bereits in frühem Alter zu Erblindung führen.
Oft ist jedoch ein fortschreitendes Alter für eine Erblindung verantwortlich. Eine häufige Ursache ist da entweder eine sogenannte Makuladegeneration oder eine durch das Alter begünstigte Erkrankung wie zum Beispiel der Graue Star, ein Schlaganfall, Diabetes oder ein Tumor. Die altersbedingte Makuladegeneration ist mit einem Anteil von 48% sogar die häufigste Ursache für eine Erblindung in der deutschen Bevölkerung.

Schicksalsschlag und Chance

Auch wenn eine Erblindung in der Regel nicht geheilt werden kann, so ist die heutige Gesellschaft in der Lage, ein weitgehend selbstständiges Leben zu ermöglichen. Dies ermöglichen eine ganze Reihe von Hilfsmitteln wie Blindenstöcke, Blindenhunde oder die Brailleschrift, die das visuelle Lesen durch eine Schrift ersetzt, die durch das Ertasten erfasst werden kann. Auch in der Öffentlichkeit wird das Zurechtfinden durch Tonsignale an Ampeln und Sprachansagen im Nah- und Fernverkehr erleichtert. Hinzu kommen seit Neuestem satellitengestützte Navigationshilfen, die sogar durch das eigene Handy bedient werden können. Die Forschung zur Heilung von Erblindung durch Netzhautimplantaten hat ebenfalls schon Teilerfolge erzielen können, ist jedoch noch sehr weit von einer massentauglichen Lösung entfernt.
Sicherlich bedeutet besonders im Alter eine Erblindung einen massiven Einschnitt im Leben der betroffenen Person; ein erfülltes und glückliches Leben ist jedoch nach einer Umgewöhnung und Einstellung auf die neuen Lebensumstände dennoch möglich. So kann ein gutes Buch immer noch genossen werden, da es heutzutage zu den meisten neuen und aber auch vielen älteren Romanen und Sachbüchern Hörbuchfassungen gibt. Auch der Umgang am Computer stellt dank spezieller Software zum Vorlesen des Bildschirminhalts kein Problem dar.

  • TIPP: Bei einer Erblindung liegt im rechtlichen Sinne eine schwere Behinderung vor, bei der Anspruch eines im Sozialgesetzbuch geregelten Blindengelds besteht.

Dass eine Erblindung jedoch nicht nur ein Handicap sein muss zeigen zum Beispiel sogenannte Dunkelrestaurants, in denen man in absoluter Dunkelheit von blindem Personal bedient wird, die in diesem Umfeld sich wiederum aufgrund dessen, dass sie sich im Alltag auf ihre restlichen Sinne verlassen müssen, sehr viel besser zurechtfinden als „normale“ Menschen. Auch gibt es medizinische Projekte, bei denen der ausgeprägte Tastsinn eines Blinden genutzt wird, um eine effizientere Erkennung von Brustkrebs zu ermöglichen.

Pflege einer blinden Person

Sollte eine pflegebedürftige Person erblinden, so muss man dies natürlich in der Pflege berücksichtigen. Behutsamkeit und die Fähigkeit, sich in die Lage des oder der Erblindeten hineinzuversetzen und dementsprechend zu agieren, sind hier das A und O. Des Weiteren ist es wichtig, die mögliche Unsicherheit und Angst zu beachten und diesen Gefühlen durch Geduld und Berücksichtigung der jeweiligen Lebensumstände entgegenzuwirken. Durch angekündigten Körperkontakt oder einem Erkundigen nach den Wünschen der erblindeten Person kann Orientierungshilfe gegeben und ein Gefühl der Sicherheit vermittelt werden. Andererseits sollte jedoch beachtet werden, dass diese Person allein dadurch, dass sie nicht sehen kann, nicht automatisch hilflos ist und man deshalb, sofern der betroffene Mensch ansonsten noch einigermaßen selbstständig ist, sich auf eine helfende Rolle beschränken sollte, die das Leben und das Umfeld der erblindeten Person ergänzt und nicht bestimmt.


Weiterführende Links:

http://www.apotheken.de/gesundheit-heute-news/article/sehbehinderung-und-blindheit/ (Allgemeiner Artikel zum Thema)

http://www.pflegewerk.com/pflegekurse/14-erblindung-im-alter.html
(Artikel zur Pflege von Blinden)

Quellen:

http://de.wikipedia.org/wiki/Blindheit


http://www.pflegewerk.com/pflegekurse/14-erblindung-im-alter.html

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