In Würde altern - Allgemeines

 

„Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt." So lautet der erste Artikel des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland. Die Tradition der Menschenwürde reicht in unserer Gesellschaft sogar auf die antike Philosophie, das Christentum und die Aufklärung zurück. Doch was ist die Würde des Menschen und was bedeutet es in Würde zu Altern?

Würde kann als etwas begriffen werden, das einem selber von einem Gegenüber entgegengebracht wird. Und auch Begriffe, die Cicero zur Beschreibung der Würde verwendet, sei es Lob, Ehre oder Ruhm, benötigen stets ein Gegenüber.

Kant dagegen präsentiert einen anderen Ansatz der Menschenwürde. Er sagt der Mensch darf keinen „Mittel zum Zweck" sein, sonder muss immer als „Zweck an sich" gesehen werden.

Und auch die allgemeine Erklärung der Menschenrechte von 1948 verkündet in Artikel 1, dass jeder Mensch mit Würde, Rechten, Gewissen und Vernunft geboren ist und man ihm mit Brüderlichkeit begegnen sollte.

 

Was aber bedeutet das für das Altern in Würde und für die Pflege? 

In Würde Altern bedeutet, dass man einen alten und auch einen pflegebedürftigen Menschen noch immer als Mensch betrachtet und nicht nur als zu pflegendes Objekt, dass einem Geld bringt. Ein Mensch ist mehr als seine Krankheit oder sein Geld.

Es bedeutet auch, dass ein Mensch das Recht hat selbstständig zu leben und Entscheidungen zu treffen, so lange er dazu in der Lage ist.

Kant gibt uns hierzu eine weitere Leitlinie: „Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde." Für die Pflege und jeden einzelnen Pfleger an sich bedeutet dies, dass er selber entscheiden muss wie er behandelt werden möchte und dann dem Patienten den selber-erwünschten Respekt entgegen bringen sollte.

Doch Würde ist ein weit-gefasster Begriff, für den es nur Leitlinien, aber keine genaue Definition gibt. Aktuelle Diskussionen über Sterbehilfe und Stammzellenforschung belegen dies. Hat das einzelne Leben oder der Wunsch des Sterbenden beziehungsweise die Gesundheit der Gesellschaft einen höheren Stellenwert?

Jedoch auch was die eigene Würde betrifft, gibt es zwischen vielen Menschen und auch Senioren große Unterschiede. Entspricht es der Würde, wenn man auch im hohen Alter stark auf die eigene Schönheit achtet und dementsprechend kleidet oder ist des würdevoller eine „altersentsprechende" Kleidung zu tragen und offen graue Haare zu zeigen?

Doch zurück zu „Die Würde des Menschen ist unantastbar." Für den Staat bedeutet dies, dass er, sei es durch Gesetze oder durch finanzielle Förderung, gewährleisten muss, dass jeder Mensch bis zu seinem Lebensende in Würde leben kann. Aber auch für Arbeitgeber ist es ratsam, dem Beispiel Japans folgend, auch alte Menschen zu beschäftigen.

Grundsätzlich muss jeder für sich herausfinden, was Würde für einen selber bedeutet und diese Würdigung auch jedem anderen Menschen entgegenbringen.

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