Sexualität und Partnerschaft

Trotz der gesellschaftlichen Tabuisierung, die zwar in den letzten Jahren abgenommen hat, aber immer noch vorhanden ist, gibt es noch sexuelle Aktivitäten bis ins hohe Alter. Es gibt eine größere Anzahl von Prominenten die, wie beispielsweise Pablo Picasso oder Franz Beckenbauer, auch in hohem Alter noch Vater wurden. Doch nichtsdestotrotz verändert sich der Körper und damit auch der Sex. Sex wird im Alter anders, aber nicht unbedingt schlechter.

Häufige Probleme 

Sex im Alter ist ein Thema, das in der Gesellschaft und in den Medien selten diskutiert wird beziehungsweise für das kein öffentliches Interesse zu bestehen scheint. Besonders die Sexualität von Frauen gilt nach der Menopause und damit dem Verlust der Gebärfähigkeit oft als Tabuthema. Dies führt oft zu Scham und Scheu vor einem offenen Gespräch, selbst mit dem Partner. Zudem gibt es für ältere Leute zum Thema Sexualität viel weniger Beratungsmöglichkeiten als für junge Menschen. Gerade Männer scheuen sich zudem bei Potenzproblemen einen Arzt aufzusuchen und auch Versagensängste bleiben oft bestehen. Zudem sinkt oft das Selbstwertgefühl und Selbstbewusstsein, da man durch das Alter und durch Narben nicht mehr dem jugendlich-geprägtem Schönheitsideal entspricht.

Körperlich gibt es einige Faktoren die zu einer verminderten sexuellen Aktivität im Alter führen können. Nach den Wechseljahren durch Östrogenmangel oder einer Krebstherapie mit Bestrahlung des Unterleibs kann es bei Frauen beispielsweise zu Erregungsstörungen und dem Ausbleiben des Feuchtwerdens der Scheide kommen. Auch bei Männern kann es, durch Testosteronmangel oder durch die Einnahme verschiedener Medikamente, zu Erektionsproblemen kommen. Zudem lässt oft die Libido, also das sexuelle Verlangen nach. Doch auch Krankheiten wie Diabetes und Arteriosklerose bei Männern und Harninkontinenz und Operationen bei Männern und Frauen können das sexuelle Verhalten einschränken.

Demographisch bedingt liegt zudem ab ca. einem Alter von 80 Jahren ein Männermangel vor, da auf zwei Frauen ungefähr ein Mann kommt.

Anregungen  

Das Wichtigste ist die Kommunikation. Erst wenn ein unvorbelastetes Gespräch mit dem Partner oder gegebenenfalls einem Arzt geführt wurde, können psychologische oder körperliche Hemmnisse beseitigt werden. Mangelndes Feuchtwerden der Scheide kann durch den Einsatz von Gleitgel behoben werden, doch für andere Erregungs- und Erektionsprobleme wird ein Arzt benötigt. Doch auf für alleinstehende Menschen gilt es kommunikativ auf Andere zuzugehen.

Entscheidend ist jedoch, dass man seinen eigenen Körper und seine eigene veränderte Sexualität akzeptiert. Sei es die Akzeptanz mangelndes sexuellen Verlangens ohne Leistungsdruck oder der Veränderungen die die Zeit mit dem Aussehen des eigenes Körpers gemacht hat. Oder sei es, dass man akzeptiert, dass man noch einen Libido hat und diesen ohne gesellschaftliche Zwänge ausleben möchte.

All dies kann mit der größeren Gelassenheit und Vertrauen alter Menschen zu einander zu einem erfüllten Sexualleben führen.

Partnerschaft 

Doch auch Partnerschaften können sich im Alter verändern. Sie basieren oft mehr auf einem Gefühl der Geborgenheit und Zuneigung zu dem Partner, als auf sexuellem Verlangen. Wie wichtig der Partner ist, kann man an verwitweten Ehemännern erkenne, die nach dem Verlust ihrer Ehefrau oft gravierende Probleme mit ihrem Leben haben. Doch auch innerhalb einer Partnerschaft kann es zu Schwierigkeiten im Alter kommen. Einerseits haben sich viele Menschen, nach langen Jahren der Partnerschaft, an die Angewohnheiten des Partners gewöhnt. Anderseits kommen diese aufgrund des Alters wieder stärken zum Vorschein oder werden oft stärker wahrgenommen, da im Rentenalter die Partner mehr Zeit miteinander verbringen. Der Lebensalltag ist oft von automatisierten Abläufen besti mmt, die Kinder sind aus dem Haus und es fehlt der Abstand zwischen den Partnern, der erst wieder die Vorfreude aufeinander wecken kann. Deshalb ist es vorteilhaft den Tagesablauf aus dieser starren Ordnung hinaus kreativ und abwechslungsreich zu gestalten. Auch das Reisen kann für Abwechslung sorgen und so eine Partnerschaft unterstützen. Einen Artikel mit zahlreichen Tipps bezüglich Seniorenreisen finden Sie in der Rubrik „Urlaub und Reise".

Doch Partnerschaft im Alter müssen nicht immer langjährige Ehen sein. Immer beliebter werden heutzutage Internet-Partnerbörsen für Senioren. Dies hat auch mit einem Selbstwertgefühl von älteren Frauen zu tun, die nun offener als früher mit ihren, teilweise auch sexuellen, Vorlieben umgehen können. Gewarnt wird jedoch vor Heiratschwindlern, die über das Internet Kontakt mit einem meist älteren Partner suchen um an dessen Ersparnisse zu kommen. Warnung sollte sein wenn der potentielle Partner entscheidend jünger ist, nach dem Erstkontakt die E-Mail wechselt und schon frühzeitig Geld verlangt.

Auch in Pflegeheimen wird die entscheidende Rolle von Zuneigung und auch Berührungen immer mehr erkannt. Den Bewohnern sollte es unbedingt gestattet sein ihr Liebesleben selber frei zu gestalten. Aber auch offen gezeigte Zuneigung, auch von Seiten der Pfleger, sollte immer toleriert und erwünscht sein. Es entwickelt sich sogar langsam ein Sexualassistenzdienst. Diese Entwicklung ist jedoch noch in ihrer Anfangsphase. Einen Spiegelartikel zu diesem Thema finden Sie hier.

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