Sturzprophylaxe

Ein Sturz kann lebensgefährlich sein

Die Gefahr

Obwohl die Gefahr eines Sturzes alle Altersgruppen betrifft, sind insbesondere ältere Menschen eine Risikogruppe. Schon allein die Änderung der Körperhaltung im Alter begünstigt das Risiko, gefährlich zu stürzen. Hinzu kommen weitere generelle Alterssymptome wie Schwindel, eine Abschwächung des Augenlichts oder Folgen von im Alter häufiger auftretenden Krankheiten und Leiden. So kann zum Beispiel ein Schlaganfall den Gleichgewichtssinn oder die Fähigkeit zu gehen empfindlich schädigen.
Jedoch sind es nicht nur die Langzeitfolgen bereits aufgetretener Leiden, die die Gefahr eines Sturzes erhöhen. Auch ein plötzlich auftretender Herz- oder Schlaganfall kann einen Sturz verursachen, wenn die Person zu diesem Zeitpunkt steht oder geht. Ebenfalls sind Demenz- und Alzheimerkranke diesem Risiko vermehrt ausgesetzt, da sie ihre Wünsche mitunter nicht mehr artikulieren können oder sich durch ihr unberechenbares Verhalten selbst in Gefahr bringen. 

Während die Folgen bei jüngeren Menschen meist nicht allzu ernst sind, kann ein Sturz bei einer älteren Person fatal sein. Durch eine erhöhte Anfälligkeit für Brüche können Stürze schwere Frakturen zur Folge haben. Im schlimmsten Fall kann es sogar zu einer Schädelfraktur kommen, wobei auch die Verlangsamung der Reaktionsfähigkeit, im Alter einen Sturz selbst abzufangen, eine solch ernsthafte Verletzung begünstigen kann. Neben den körperlichen Leiden kann ein Sturz auch psychische Folgen haben. Es kommt oft vor, dass ältere Menschen das Vertrauen in ihre eigenen Kräfte verlieren und sich deshalb nach einem Sturz nur sehr langsam wieder trauen, das Haus zu verlassen. Es steht außer Frage, dass darunter auch soziale Kontakte leiden.

Wer ist besonders betroffen?

Sollten Sie im letzten halben Jahr bereits gestürzt sein oder in den vergangenen Jahren einen Knochenbruch erlitten haben, sind Sie besonders sturzgefährdet. Aber auch Sehbehinderungen wie Grüner oder Grauer Star und Gehbehinderungen, zum Beispiel hervorgerufen durch Parkinsonsche Erkrankungen oder Schlaganfälle, erhöhen die Sturzgefahr. Ebenso sind Demenzkranke und de- pressive Menschen verstärkt davon betroffen. Die Einnahme von Medikamenten wie Schlafmitteln, Beruhigungsmitteln und blutdrucksenkenden Mitteln tragen ebenfalls zu Stürzen bei.

Doch wie kann Stürzen vorgebeugt werden? Und wie kann Menschen geholfen werden, die bereits gestürzt sind?

Die Vorsorge

Insbesondere in Pflegeeinrichtungen ist eine Sturzprävention sehr wichtig und hat mittlerweile zur Bildung des deutschlandweit eingeführten Expertenstandards Sturzprophylaxe geführt. Im Endeffekt gelten sowohl für Pflegeeinrichtungen als auch für das private Umfeld einige wichtige Grundsätze zur Vermeidung von Stürzen.

Diese sind...

...ausreichend körperliches Training verbunden mit gesunder Ernährung

Besonders die Balance und die Muskelkraft sollten bei älteren Menschen trainiert werden. Um dem Muskelabbau entgegenzuwirken wird empfohlen, mindestens zweimal pro Woche zu üben. Dies können Sie im Fitness-Studio oder in entsprechenden Sportvereinen bzw. Seniorensportgruppen tun. Sportarten, die sich besonders gut für das Training von Balance und Kraft eignen, sind z. B. Was- sergymnastik, Yoga, Tanzen, Tai-Chi (chinesisches Schattenboxen). Fragen Sie doch einfach mal im Fitness-Studio in Ihrem Ort nach Sportangeboten für Senioren nach. Nicht zu vergessen ist aber auch die Bewegung an der frischen Luft, etwa beim Spazieren oder Wandern.

Ebenso ist ausgewogenes Essen und Trinken entscheidend. Selbst wenn Sie genügend Kalorien zu sich nehmen, stecken in Ihrem Essen nicht immer die nötigen Nährstoffe, die einer Mangelernährung vorbeugen. Diese sind Eiweiße, Mineralstoffe und Vitamine. Obst und Gemüse sollten genauso auf dem Speiseplan stehen wie Milchprodukte, Fisch und Fleisch. Daneben ist die Zunahme von aus- reichend Flüssigkeit sehr wichtig, denn ein Mangel daran führt zu Konzentrationsschwäche und erhöht somit die Sturzgefahr. Ältere Menschen sollten daher mindestens 1,5 Liter Wasser, Tee oder verdünnten Saft trinken.

...Anpassung von Wohnung und Garten

Gerade in Haus und Garten passieren die meisten Unfälle. Grund dafür ist, dass dort oftmals zu viele Barrieren vorhanden sind. In jungen Jahren ist es kein Problem, sicher in die Dusche oder die Badewanne zu steigen; im Alter lassen jedoch die Kräfte nach. Bodentiefe Duschen oder Haltegriffe für die Badewannen erleichtern den Einstieg. Außerdem können Wannen mit Antirutschmatten versehen werden. Ein Hocker macht  das Duschen bequemer und dient der Sicherheit.

Leicht erreichbare LichtschalterAchten Sie des Weiteren immer darauf, dass Sie sich nicht in dunklen Räumen oder Gärten bewegen. Es kommt oft vor, dass am Vortag vergessen wurde, den Stuhl oder den Blumen- topf an die Seite zu stellen. Ein Sturz ist vorprogrammiert. Daher sollten genügend leicht erreichbare und im Dunkeln leuchtende Lichtschalter sowie ausreichend helle Lampen installiert werden. Flure sollten genau wie Treppen immer gut beleuchtet sein. Dafür eig- nen sich auch automatisch einschaltende Be- wegungsmelder. Im Schlafzimmer schützen Nachttischlampen vor Stürzen.

Um Stürzen vorzubeugen, können Treppen mit rutschfesten Gummimatten oder Teppichen versehen werden. Unter Teppichläufern sollten immer rutschhemmende Matten oder Klebebeläge liegen. Am besten ist es, solche Läufer ganz zu entfernen, da diese nicht selten Falten schlagen, über die man leicht stolpern kann.

Wichtig ist auch, dass sowohl Leitern als auch Tritte mit Gummifüßen versehen sind und immer einen festen Stand haben. Achten Sie bei Neuanschaffungen darauf, dass die Leiter mit dem GS-Gütesiegel für geprüfte Sicherheit versehen ist. Grundsätzlich sind witterungsbeständige Aluminiumleitern sicherer als Holzleitern. Ihre Sprossen bestehen meist aus rutschfestem Blech.

Stolperfallen wie Elektrokabel sollten möglichst so verlegt werden, dass sie unter Kabelkanälen an den Wänden befestigt sind. Falls Sie ein Verlängerungskabel brauchen, kleben Sie dieses einfach mit Pakettklebeband am Boden fest. Dieses lässt sich nach Gebrauch leicht entfernen.

Achten Sie ebenfalls darauf, dass nichts auf dem Boden liegen bleibt. Räumen Sie deshalb z. B. Einkäufe und Schuhe gleich weg. Besonders wichtig ist, dass Sie Stress und Hektik meiden, denn gerade deshalb wird man unachtsam und Unfälle passieren.

Neben dem Einbau von bodentiefen Duschen sind meist auch die Verbreiterung von Türen (besonders bei Rollstuhlfahrern und Menschen, die andere Gehhilfen nutzen) und die Beseitigung von Schwellen unumgänglich. Backöfen sollten möglichst auf Augenhöhe eingebaut werden, sodass Sie sich nicht mehr bücken müssen, um an das Gerät zu gelangen.

Lassen Sie sich außerdem bei alltäglichen Aufgaben wie etwa dem Fensterputzen oder Wäsche- waschen helfen. Falls niemand aus der Verwandtschaft in Ihrer Nähe wohnt, nutzen Sie doch einfach soziale Dienste.

...entsprechende Kleidung wie rutschfestes Schuhwerk und Hüftschutzhosen

Rutschsichere SchuheZiehen Sie immer rutschfeste Schuhe an, auch wenn Sie nur kurz hinaus zur Müll- tonne oder zum Briefkasten gehen. Diese ermöglichen nicht nur einen sicheren Gang, sondern schützen ebenso vor Kno- chenbrüchen. Falls es Ihnen schwerfällt, Schnürsenkel zu binden, sind Schuhe mit Klettverschluss eine gute Alternative. Auch auf Leitern oder Tritten sollten Sie immer feste Schuhe tragen, um ein Abrutschen zu vermeiden.

Unterwäsche mit Protektoren verhindert ebenfalls Brüche. So gibt es spezielle Hüftschutzhosen, die die Wahrscheinlichkeit eines Bruchs bei einem Sturz verringern. Bei den Hosen befinden sich rechts und links auf Hüfthöhe Polster, die einen Aufprall bremsen. Fragen Sie bei Ihrer Krankenkasse nach, ob diese einen Teil der Kosten übernimmt. Erhältlich sind Hüftschutzhosen unter anderem in Sanitätshäusern.

...Nutzung von Gehhilfen und Rollatoren sowie Treppenliften für eine sichere Fortbewegung

Gehhilfen und Rollatoren ermöglichen Ihnen einen sicheren Gang. Überkommt Sie einmal ein Schwä- chegefühl, können Sie sich auf Ihre Gehhilfe stützen bzw. sich auf den Rollator setzen und dort kurz verschnaufen. Auch beim Einkaufen sind Rollatoren äußerst praktisch, da sie oftmals mit Körben versehen sind, in die Sie bequem ihren Einkauf packen können. Schwere Taschen und Beutel müssen somit nicht mehr getragen werden, sodass Sie geschont werden.

Treppenlifte eignen sich besonders bei Menschen mit Gehbehinderungen, denen es schwerfällt Trep- pen zu steigen. Falls sich Ihre Wohnung nicht auf einer Etage befindet und Sie viele Treppen laufen müssen, ist es von Vorteil, wenn Sie sich einen Treppenlift oder einen Hausaufzug installieren lassen. So wird auch die Stolperfalle Treppe umgangen.

Neben diesen Grundsätzen sind aber auch regelmäßige Besuche beim Augenarzt sowie Kontrollen beim Hausarzt wichtig. Gerade der Hausarzt kann durch spezielle Untersuchungen rechtzeitig fest- stellen, ob die Balance und die Muskelkraft nachlassen.

 

Weiterführende Informationen:

http://www.sturzprophylaxe.de/ (Website zum Thema)

http://www.cultus.info/downloads/Sturzprophylaxe.pdf (Artikel im .pdf-Format zum Thema Sturzprävention in der Altenpflege)

Quellen:

http://www.das-sichere-haus.de/uploads/tx_ttproducts/datasheet/Sturzunf%C3%A4lle_sind_vermeidbar.pdf (Broschüre zum Thema vom Deutschen Kuratorium für Sicherheit in Heim und Freizeit e.V.)

http://www.pflegewiki.de/wiki/Sturzprophylaxe


http://de.wikipedia.org/wiki/Expertenstandard_Sturzprophylaxe

Bildquelle (Schuhe):

Petr Kratochvil / http://www.publicdomainpictures.net/view-image.php?image=2908&picture=weisse-schuhe

 

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