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Tinnitus: Wenn es im Ohr klingelt

Wenn es im Ohr ohne erkennbaren Grund anfängt zu piepsen, zu summen oder zu rauschen, handelt es sich meist um einen Tinnitus. Als Symptom sollte dieser ernst genommen werden, da er auf ganz verschiedene Grunderkrankungen hindeuten kann.

Ältere Dame hält sich mit beiden Händen die Ohren zu.
©Kaesler Media | fotolia.com

In Deutschland haben schon mehr Menschen als vermutet das berühmte „Klingeln im Ohr" erlebt. Jeder vierte Bundesbürger leidet im Schnitt irgendwann unter der auditiven Wahrnehmungsstörung Tinnitus. Die Töne können dabei von ganz unterschiedlicher Natur sein: Es kann pfeifen, rattern, brummen, summen, rauschen, zischen oder knacken und das entweder konstant gleichförmig oder in rhythmischen Abfolgen. Allerdings sind diese in den meisten Fällen nur vorübergehend und verschwinden nach ein paar Stunden, Tagen oder Wochen wieder.

Ernster wird die Belastung für den Betroffenen, wenn die Geräusche nach Monaten noch auftreten. Sollte eine Besserung nach drei Tagen nicht eintreten, ist ein Besuch beim HNO-Arzt erforderlich, da dieser durch Hörtest und Hörproben eine genaue Diagnostik durchführen kann. Ab drei „geräuschvollen" Monaten spricht der Mediziner von einem subakuten, bei über sechs Monaten von einem chronischen Tinnitus, unter welchem 10-20% der Betroffenen leiden.

Die Geräusche werden nur von dem Betroffenen selbst wahrgenommen, sie sind also nicht messbar und haben keine erkennbare Geräuschquelle. Diese Form nennt sich „subjektiver Tinnitus". Viele glauben in dem Zusammenhang, dass Tinnitus eine Halluzination sei, dies ist aber nicht der Fall. Der „objektive Tinnitus" tritt nur in einem von hundert Fällen auf und wird vom Körper erzeugt, ist also auch messbar.

Tinnitus ist ein Symptom

Tinnitus ist per se keine Krankheit, sondern ein Symptom. Das bedeutet, dass der Körper Warnsignale aufgrund einer anderen physischen oder psychischen Krankheit aussendet. Deswegen ist eine Diagnose der eigentlichen Ursache sehr wichtig, um dem Tinnitus überhaupt entgegenwirken zu können. Wenn eine Heilung der Grunderkrankung gelingt, sind die Symptome auch behoben. Wenn keine organische Krankheit gefunden wird, kann der Tinnitus unter Umständen selbstständig abklingen. Ist dies nicht der Fall, können Stress und Depression der Auslöser sein.

Folgende Krankheiten oder Faktoren können einen Tinnitus bewirken:

  • Fremdkörper im Gehörgang (z.B. Ohrenschmalz-Ansammlungen)
  • Ohrentzündungen
  • virale und bakterielle Infekte (z.B. Borreliose)
  • Stoffwechselerkrankungen (z.B. Diabtetes)
  • Morbus Menière
  • Mittelohrerkrankungen mit Störung der Schallübertragung, z.B. bei Otosklerose
  • Halswirbelsäulen- oder Zahn-Kiefer-Problem
  • akutes oder chronisches Schalltrauma, Lärmschäden
  • Durchblutungsstörungen
  • Hörsturz
  • Tauchunfälle
  • Autoimmunerkrankungen des Innenohrs
  • ototoxische Substanzen
  • Gehörnerven-Tumore bzw. Akustikusneurinom
  • Schwerhörigkeit (Hypakusis), Hörschaden
  • Stress, Angstzustände, Depression

Die symptomatischen Ohrgeräusche werden infolgedessen durch eine Funktionsstörung der Schallweiterleitung, -verarbeitung oder -empfindung verursacht. Dabei können die Hörsinneszellen beispielsweise beschädigt sein und Höreindrücke fehlerhaft oder verselbstständigt weitergegeben werden.

Hörgerät kann bei Tinnitus helfen

Bei chronischem Tinnitus gibt es einige Therapiemöglichkeiten und Behandlungsmethoden, die ein Leben mit den Ohrgeräuschen wieder sorgenfreier gestalten. Zum einen müssen natürlich die Ursachen behandelt werden, beispielsweise kann eine Förderung der Durchblutung hilfreich sein.

Ein Hörgerät wiederum verhilft nicht nur zu besserem Hören. Da ein Tinnitus oft mit einem Hörschaden einhergeht, lenkt es von den inneren Ohrgeräuschen ab und konzentriert die Aufmerksamkeit wieder auf die Umwelt. Im Zweifelsfall sollte ein Hörgeräteakustiker zu Rate gezogen werden.

Je nach Schweregrad der Symptome ist die Beeinträchtigung für den Alltag unterschiedlich. Der Tinnitus wird in vier Schweregrade unterteilt. Bei den zwei schwächeren wird von einem kompensierten Tinnitus, bei den zwei schwereren von einem dekompensierten Tinnitus gesprochen. Ständige Geräusche ohne erkennbare Quelle nehmen der Körper und das Gehirn automatisch als Warnsignal wahr. Kein Wunder also, dass bei einem Tinnitus die Psyche ständig belastet ist.

Bei sehr wenigen Fällen ist diese so enorm, dass sich die Belastung zu weiteren physischen Beschwerden, wie Kopfschmerzen, Schlafprobleme und Konzentrationsschwäche ausweitet. Dies kann sogar zu Depressionen und Suizidgedanken führen.

Stresssituationen, starke akustische Belastungen und Alkoholkonsum sollten insgesamt vermieden werden. Bei Einschlafproblemen ist es erwiesenermaßen hilfreich, leise Musik zu hören, denn absolute Stille ist nie gut, weil die Konzentration auf das Tinnitusgeräusch zu hoch ist. Letzten Endes ist also die Gewöhnung an diese Situation entscheidend. Psychologische Unterstützung und Selbsthilfegruppen können Betroffenen helfen, mit dem Symptom im Alltag besser umzugehen.

 


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