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Eckart Hammer: Unterschätzt – Männer in der Angehörigenpflege

Angehörigenpflege ist längst Männersache – davon ist Eckart Hammer überzeugt. Deswegen widmet er sein Buch all jenen Männern, die ihre Frauen oder Eltern pflegen und eine tragende Säule unserer Altersvorsorge darstellen.

Rezension – von Jasmin Köhler

Buchcover - Eckart Hammer: Unterschätzt – Männer in der Angehörigenpflege
© Herder
„Dieses Buch will Männer, die ihre Angehörigen pflegen, aus ihrem Schattendasein holen", beschreibt der Autor sein Anliegen. In unserer Gesellschaft sei immer noch die Vorstellung präsent, dass Männer nicht in die Pflege passen, so wie Frauen nicht auf den Bau passen. Dabei sind um die 36 % der pflegenden Angehörigen Männer. Um mehr Licht in das Dunkel der Männerpflege zu bringen, führte Eckart Hammer 25 Interviews mit Männern durch, die in der Angehörigenpflege tätig sind. Anhand dieser Interviews ermittelte er fünf verschiedene Grundtypen pflegender Männer: der Solist, der überforderte Einzelkämpfer, der Care-Manager, der Kooperateur und der erschöpfte Kooperateur.

Motive und Bewältigungsmöglichkeiten

So wie es verschiedene Typen an pflegenden Männern gebe, gebe es auch unterschiedliche Motive für die Männerpflege. Für einige stelle es einen selbstverständlichen Teil des Ehelebens dar, für andere sei es ein Ausdruck von Dankbarkeit gegenüber der pflegebedürftigen Person und der Wunsch, ihnen etwas zurückgeben zu können. Außerdem gebe es religiöse oder spirituelle Beweggründe und „Pflege von Angehörigen könnte auch helfen, das große Vakuum zu füllen, in das nicht wenige Männer mit dem Eintritt in die Rente stürzen", sagt der Autor.

Eckart Hammer erklärt in seinem Buch ebenfalls, wie Männer ihren Pflegealltag bewältigen und gestalten. Zu den Bewältigungsmechanismen zählt er eigene Freiräume zu schaffen, äußere und innere Distanzierung zu wahren, z.B. indem die Intimpflege an professionelle Fachkräfte abgegeben wird, und ein offener Umgang mit der Krankheit im Freundeskreis und in der Nachbarschaft. Außerdem seien viele Männer stolz auf ihre erworbenen Kompetenzen und sehen die Pflegetätigkeit als eine Arbeit an, die mit Managementtechniken bewältigt werden kann. Insgesamt wurde anhand der Interviews deutlich, dass die meisten Männer sich durch die „weibliche" Tätigkeit der Pflege nicht in ihrer Männlichkeit bedroht fühlen, im Gegenteil, „Pflege ist für die meisten etwas ganz Normales, das keiner besonderen Rede wert ist."

Mögliche Belastungen durch die Pflege

Des Weiteren nennt der Autor einige Belastungen, denen Männer in der Pflege ausgesetzt seien, z.B. Wissenslücken, Scham, Schuldgefühle oder eigene Krankheiten. Die größte Belastung für die Männer sei jedoch der unaufhaltsame Abbau der geistigen und körperlichen Gesundheit des Pflegebedürftigen. An ihre Grenzen stoße die Angehörigenpflege, wenn sie zur Isolation des Pflegenden führe und es kein Leben mehr jenseits der Pflegedyade gebe, wobei auch die Gefahr bestehe, in eine Gewaltspirale abzurutschen. Außerdem betont Eckart Hammer: „Ein guter Ehemann, ein guter Sohn pflegt nicht alleine!" Es sei also wichtig, sich frühzeitig und vorausschauend mit der Pflege zu beschäftigen und sich auch Hilfe von außen zu suchen. Hilfreich sei es auch, sich Ansprechpartner in Männer-Angehörigengruppen zu suchen.

Insgesamt kommt der Autor zu dem Schluss, dass Männer in der Pflege viel sichtbarer gemacht werden müssen. Denn es werde immer mehr Bedarf an Pflegekräften geben. Das zeige: „Ohne Männer wird es in der Pflege keinesfalls mehr gehen."

Eckart Hammer liefert mit seinem Buch „Unterschätzt – Männer in der Angehörigenpflege" eine informative und zukunftsorientierte Lektüre, die auf die mittlerweile vermehrt auftauchende Angehörigenpflege durch Männer aufmerksam macht. Die individuellen Erfahrungsberichte der interviewten Männer hauchen dem Buch zusätzlich Leben ein und bieten dem Leser unterschiedliche Schicksale, mit denen er sich identifizieren kann. Außerdem bietet das Buch zahlreiche Orientierungshilfen für Männer, die in der Angehörigenpflege tätig sind: Woher bekomme ich die nötigen Informationen? Wie gehe ich am besten mit dem Pflegealltag um? Wann stößt die Pflege an ihre Grenzen? Auf diese und noch mehr Fragen finden alle Männer Antworten, die in der Angehörigenpflege tätig sind oder zukünftig tätig sein werden.

 

Titel: Unterschätzt – Männer in der Angehörigenpflege
Autor: Eckart Hammer
Herausgeber: Kreuz Verlag
Preis: 17,99 € (als eBook verfügbar)
ISBN: 978-3-451-61265-7


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