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Depressionen im Alter – wenn der Alltag nicht mehr zu bewältigen ist

Oft benutzen Menschen den Begriff „deprimiert", wenn sie signalisieren wollen, dass es ihnen momentan nicht gut geht. Meist verbirgt sich dahinter eine depressive Verstimmung, die wieder vorbei gehen kann. Halten die Symptome jedoch an oder werden schlimmer, besteht dringender Handlungsbedarf. Unbehandelt kann eine depressive Störung das Leben der betroffenen Person in erheblichem Maße beeinträchtigen. Selbst einfache alltägliche Dinge können so zur unüberwindbaren Hürde werden.

Einsame Frau guckt deprimiert aus dem Fesnter.
© De Visu | Fotolia.com

Früher Melancholie, heute Depression

Die moderne Bezeichnung „Depression" kommt vom lateinischen Begriff „deprimere" und bedeutet niederdrücken. Der Begriff wird erst seit dem 19. Jahrhundert in dieser Form verwendet. Eine erste umfassende Beschreibung der depressiven Symptomatik gelang dem alten Griechen Hippokrates. Dafür verwendete er damals den Begriff der Melancholie.

Die vielen Gesichter der Depression

Ist die Rede von einer „Depression" meint wohl jeder zu wissen, um was es sich handelt. Was vielen Menschen jedoch nicht wissen: Depression ist nicht gleich Depression. Der Forschung ist es in den letzten Jahrzehnten gelungen, Abstufungen für verschiedene Ausprägungen der Depression vorzunehmen und diese nach bestimmten Merkmalen zu kategorisieren. Diese Erkenntnis über die einst scheinbar „unsichtbare" Krankheit hat dazu beigetragen, dass der Begriff Depression heute einen Großteil seiner bedrohlichen Wirkung verloren hat.
Grundsätzlich unterscheidet man zwischen drei Formen der Depression: die leichte depressive Phase, die mittelgradige Depression und die schwere Depression. Die Diagnose der jeweiligen Ausprägung erfolgt anhand von einer Art Symptom-Checkliste, wobei die Anzeichen über einen Zeitraum von mindestens zwei Wochen bestehen müssen. Zudem können auch einzelne Untertypen ermittelt werden, welche sich durch weitere Beschwerden in spezifischen Bereichen auszeichnen. Ein Beispiel hierfür ist zum Beispiel die somatisierte Depression, wobei die betroffene Person vor allem unter körperlichen Beschwerden wie Rücken- und Kopfschmerzen leidet.

Wie zeigt sich eine Depression?

Da die frühzeitige Erkennung einer Depression von enormer Bedeutung für den Erfolg der Therapie ist, ist es hilfreich, die gängigen Symptome einer Depression zu kennen. Insbesondere folgende drei Symptome können auf eine Depression hinweisen: gedrückte Stimmung, Interessenverlust und Antriebslosigkeit. Aber auch Konzentrationsschwierigkeiten, Beeinträchtigungen des Selbstwertgefühls, Schuldgefühle, Suizidgedanken, Schlafstörungen und Appetitmangel können Hinweise für eine Depression sein.

Im Tal der Dunkelheit gefangen

Meist dauert es sehr lange, bis den Betroffenen klar wird, dass sie an einer Depression leiden. Symptome wie zunehmende Niedergeschlagenheit, Schlafprobleme und der Verlust an Interessen werden oftmals fälschlicherweise dem Stress in Job oder Privatleben zugeschrieben. Hinzu kommt, dass eine Depression meist phasenartig verläuft, was bedeutet, dass betroffene Menschen häufig dem Irrglauben erliegen, es sei wieder „Alles beim Alten".
So kann es passieren, dass erst Jahre nach Beginn der psychischen Erkrankung ein Arzt aufgesucht wird. Zu diesem Zeitpunkt haben die meisten Menschen bereits einen langen Leidensweg hinter sich. Das Fatale hierbei: Je länger eine Depression unbehandelt bleibt, desto größer wird die Gefahr einer Chronifizierung.
Dies ist ein Teufelskreis. Durch negative Gedanken und depressiver Grundstimmung isolieren sich Betroffene immer mehr von ihrer Außenwelt. Dadurch werden wiederrum positive Erlebnisse jeglicher Art vermieden. In Folge dessen verschlimmert sich die bereits bestehende Symptomatik. Als einzigen Ausweg sehen einige Betroffene nur noch den Suizid.

Die Depression in Zahlen und Fakten

Schätzungen zufolge leiden allein in Deutschland etwa 4 Millionen Menschen an einer Depression - weltweit sind es cira 350 Millionen. Laut Weltgesundheitsorganisation wird die Depression bereits im Jahr 2020 weltweit die zweithäufigste Volkskrankheit sein. Durch zahlreiche Fallstudien ist bekannt, dass ein Großteil der Betroffenen im frühen Erwachsenenalter an einer Depression erkrankt. Doch auch Menschen anderer Altersgruppen sind nicht weniger gefährdet, zu erkranken. Das Langzeitrisiko an einer Depression zu erkranken, liegt bei etwa 20%. Besonders bei Menschen im höheren Alter wird eine große Dunkelziffer vermutet.
Mehr als die Hälfte aller depressiv erkrankten Menschen leidet zudem an weiteren psychischen Erkrankungen. Häufig handelt es sich um Angst- und Suchterkrankungen oder auch körperliche Erkrankungen wie beispielsweise Migräne und Asthma. Auch die Suizidrate ist bei Menschen mit Depressionen deutlich erhöht. Etwa 15% der schwer depressiv Erkrankten nehmen sich das Leben.

Auf der Suche nach den Ursachen

Wie vielen anderen psychischen Erkrankungen kann man die Entstehung einer Depression auf verschiedene Ursachen zurückführen. Eine mögliche Erklärung liefert die Genetik. Neueste wissenschaftliche Erkenntnisse gehen davon aus, dass die Gefahr, an einer Depression zu erkranken, bei ca. 15% liegt, wenn bereits eine genetische Vorbelastung durch die Eltern besteht.
Eine weitere Erklärung bietet die Neurobiologie. Durch Probleme im Stoffwechsel können wichtige Botenstoffe wie Dopamin und Serotonin in zu geringer Anzahl ausgeschüttet werden. Die Regulationsfähigkeit des Gehirns wird dadurch beeinträchtigt.
Ein besonders großes Augenmerk liegt auf den psychosozialen Faktoren, also den Entwicklungs- und Persönlichkeitsfaktoren. Hierbei stehen frühe Ereignisse aus dem eigenen Leben wie beispielsweise die Beziehung zu Gleichaltrigen und den Eltern oder auffällige Charakterzüge im Mittelpunkt, die als mögliche Auslöser einer Erkrankung in Betracht kommen.
Darüber hinaus können auch einschneidende Erlebnisse – ob positiv oder negativ – Auslöser einer Depression sein. Ereignisse wie der Verlust eines geliebten Menschen oder die Geburt des eigenen Kindes können zu vermehrtem Stress führen, was die Entstehung psychischer Erkrankungen begünstigt.

Ich glaube, ich bin betroffen - was tun?

Zuerst einmal ist es ein gutes Zeichen, Veränderungen an sich wahrzunehmen und die Symptome richtig deuten zu können. Leider fehlt vielen Menschen dahingehend der Bezug zu sich selbst, sodass sie Schwierigkeiten damit haben, ihre Gefühlsregungen richtig zu interpretieren. Die Erkenntnis, dass eine psychische Störung vorliegt, ist bereits der erste Schritt auf dem Weg zur Besserung. Erst wenn der Betroffene sich eingesteht, dass er krank ist und Hilfe benötigt, kann mit einer entsprechenden Behandlung begonnen werden.
Als Erstes sollen Personen, die den Verdacht haben an einer Depression zu leiden, umgehend einen Arzt aufsuchen. Dabei ist es vorerst egal, ob es sich um den Hausarzt oder einen Psychotherapeuten handelt. Für den Betroffenen ist es wichtig, sich einer vertrauenswürdigen Person anvertrauen zu können. Auch offene Gespräche mit Freunden, Kollegen und der Familie können dabei eine große Hilfe sein.
Generell gilt: Betroffene sollten sich nicht für ihre Depression schämen oder sich schuldig fühlen. Letztendlich handelt es sich hierbei um eine Krankheit wie jede andere auch, für die man schlichtweg nichts kann.

Was für Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Inzwischen gibt es viele Möglichkeiten, eine Depression zu behandeln. Vorab sei jedoch gesagt, dass selbst nach der Heilung ein Rückfall und somit erneute depressive Phasen nicht auszuschließen sind, weshalb depressiv erkrankte Menschen meist ein Leben lang ärztlich betreut werden.
Die zwei gängigsten Behandlungsformen sind heute die Pharmakotherapie und die Psychotherapie. Insbesondere bei der leichten und mittelgradigen Depression wird vorrangig die Psychotherapie angewendet, welche in den meisten Fällen große Erfolge erzielt. Hierbei wird versucht, der Ursache der Depression auf den Grund zu gehen, um so die Gedankengänge der Person besser verstehen zu können. Ziel ist es, problematische Annahmen und Überzeugungen des Betroffenen zu analysieren und diese anschließend durch positive Denkweisen zu ersetzen.
Die Pharmakotherapie, also eine medikamentöse Behandlung, wird häufig begleitend zur Psychotherapie eingesetzt und ist bei schweren Depressionen oft unabdinglich. Durch ihre relativ schnell einsetzende stimmungsaufhellende Wirkung helfen die sogenannten „Antidepressiva" den Betroffenen wieder aktiv am Leben teilzuhaben. Die Medikamenteneinnahme muss von einem Arzt betreut werden und darf auch bei Besserung in keinem Fall eigenmächtig abgebrochen werden. Denn die Gefahr eines Rückfalls besteht immer.

Einen kostenlosen und unverbindlichen Selbsttest zum Thema Depression finden Sie hier.
Beachten Sie jedoch bitte: Dieser Test ersetzt keine fachliche Diagnose, er dient lediglich zu einer ersten Selbsteinschätzung.


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