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Demenz – Die Krankheit „Vergessen"

Der Begriff Demenz bezeichnet eine ganze Gruppe von Krankheitsbildern, bei denen wichtige Gehirnfunktionen wie Gedächtnis, Orientierung, Sprache und Lernfähigkeit nach und nach unwiederbringlich verloren gehen.

Karte Demenz
Mit rund zwei Drittel aller Fälle ist die Alzheimer-Krankheit die häufigste Form. Die Wahrscheinlichkeit an Demenz zu erkranken, steigt nach dem 65. Lebensjahr steil an. Dabei sind aufgrund der hohen Lebenserwartung des weiblichen Geschlechts mehr Frauen als Männer betroffen.

Nach aktuellen Schätzungen leben heute rund 1,3 Millionen Menschen mit Demenz in Deutschland. In Österreich sind es rund 130.000 und 120.000 in der Schweiz. Im Durchschnitt kommen somit rund 1.500 Menschen mit Demenz auf 100.000 Einwohner. Weil die Bevölkerungen generell altern, dürfte sich dieser Anteil in Österreich und der Schweiz bis zum Jahr 2050 verdoppeln. In Deutschland ist in diesem Zeitraum deutlich mehr als eine Verdopplung zu erwarten, weil es sich kaum durch Zuwanderung verjüngt.

Einige Regionen im Osten Deutschlands liegen schon heute über diesem Durchschnitt. Die Werte dürften sich dort bereits 2025 verdoppelt haben. Zu diesem Zeitpunkt erreichen die geburtenstarken Jahrgänge das Rentenalter. Die nachfolgenden Generationen, die sich als Kinder, Schwiegerkinder, Enkel oder professionelle Pflegekräfte um die demenziell Erkrankten kümmern könnten, fallen deutlich kleiner aus.

Daraus ergibt sich eine Lücke. Diese zu füllen, stellt eine wichtige gesellschaftliche und politische Aufgabe dar.

Was ist Demenz?

Der Begriff Demenz leitet sich von dem lateinischen Wort dementia ab und bedeutet wörtlich „ohne Verstand" bzw. „ohne Geist". Damit ist das wesentliche Merkmal von Demenzerkrankungen vorweggenommen, nämlich der Verlust der geistigen Leistungsfähigkeit. Früher fiel darunter jegliche Art geistiger Störung.

Am Anfang der Krankheit stehen Störungen des Kurzzeitgedächtnisses und der Merkfähigkeit, in ihrem weiteren Verlauf verschwinden auch bereits eingeprägte Inhalte des Langzeitgedächtnisses, so dass die Betroffenen zunehmend die während ihres Lebens erworbenen Fähigkeiten und Fertigkeiten verlieren. Aber eine Demenz ist mehr als eine einfache Gedächtnisstörung. Sie zieht das ganze Sein des Menschen in Mitleidenschaft: seine Wahrnehmung, sein Verhalten und sein Erleben.

Demenz ist ein Überbegriff. Eine der möglichen Formen von Demenz ist die Alzheimer-Krankheit, benannt nach dem Münchner Neurologen Alois Alzheimer (1864-1915).

Grafik Demenzformen

Er untersuchte erstmals 1906 die charakteristischen Veränderungen im Gehirn verstorbener Patienten. Dabei stellte er Proteinablagerungen im Hirngewebe, zwischen den Nervenzellen sowie innerhalb der Zellen fest. Möglicherweise tragen diese Ablagerungen dazu bei, dass Nervenzellen absterben und Signale zwischen den Verbleibenden nicht mehr richtig weitergeleitet werden. Was dort genau geschieht, wird jedoch noch erforscht.Demenzerkrankungen können eine Vielzahl von Ursachen haben. Am häufigsten handelt es sich um eine degenerative Demenz vom Alzheimer-Typ, gefolgt von den so genannten vaskulären, d. h. gefäßbedingten Demenzformen. Auch Mischformen sind nicht selten. Sie alle nehmen meist einen irreversiblen fortschreitenden Verlauf.

Demenzerkrankungen können eine Vielzahl von Ursachen haben. Am häufigsten handelt es sich um eine degenerative Demenz vom Alzheimer-Typ, gefolgt von den so genannten vaskulären, d. h. gefäßbedingten Demenzformen. Auch Mischformen sind nicht selten. Sie alle nehmen meist einen irreversiblen fortschreitenden Verlauf.

Wesentlich seltener handelt es sich um eine so genannte sekundäre Demenz, die eine Folgeerscheinung anderer, meist außerhalb des Gehirns angesiedelter Grunderkrankungen, wie z. B. Stoffwechselerkrankungen, Vitaminmangelzustände und chronische Vergiftungserscheinungen ist. Sie kann bei Therapie der Grunderkrankungen oftmals gut behandelt werden.

Der Abbau kognitiver Leistungen verläuft bei unterschiedlichen Demenzformen verschieden rasch und nicht immer stetig - so etwa wie bei vaskulären Demenzen.

Grafik kognitive Leistung bei Demenz

Nach aktuellen Zahlen des Medizinischen Dienstes sind 30 Prozent der Personen, die einen Antrag auf häusliche Pflegeleistungen gestellt haben, und 57 Prozent derjenigen, die stationäre Pflegeleistungen beantragt haben, aufgrund von Demenz oder anderen gerontopsychiatrischen Beeinträchtigungen in ihrer Alltagskompetenz eingeschränkt.

Wer stellt die Diagnose?

Je früher eine Demenz eindeutig diagnostiziert wird, desto besser. Denn so können Betroffene noch selbstbestimmt gemeinsam mit der Familie die Angelegenheiten regeln und die weitere Lebenssituation planen. Außerdem verbessert eine frühe Diagnose die Aussichten, den Rückgang der kognitiven Leistungen mit Medikamenten, Rehabilitationsmaßnahmen oder Trainings hinauszuzögern.

Grundsätzlich kann ein Hausarzt eine Verdachtsdiagnose stellen und die medizinische Versorgung übernehmen. Die Diagnose sichern, sollte allerdings ein Facharzt für Psychiatrie oder Neurologie. Für die Diagnose sind die Aussagen von Angehörigen wichtig. Mithilfe psychologischer Untersuchungen wie dem Uhrentest oder dem Mini-Mental-Status-Test lässt sich der Verdacht auf Demenz einfach eingrenzen.

Uhrentest

Als Vorgabe hat der Patient einen einfachen leeren Kreis. Ihm wird dann erklärt, dass dies eine Uhr sein soll und er die Ziffern eintragen und anschließend eine Uhrzeit (11:10 Uhr) mit den Zeigern darstellen soll.

Uhrentest bei Demenz

Die Auswertung und Zuordnung zu einem Schweregrad erfolgt nach vorgegebenen Kriterien:

  • Sind 12 Zahlen vorhanden?
  • Ist die Zahl „12" oben?
  • Sind zwei unterscheidbare Zeiger vorhanden?
  • Stimmt die eingetragene Zeit?

Mini-Mental-Status-Test

Der Mini-Mental-Status-Test wird als Interview mit dem Patienten durchgeführt. Anhand von neun Aufgabenkomplexen werden zentrale kognitive Funktionen überprüft (zeitliche und räumliche Orientierung, Merk- und Erinnerungsfähigkeit, Aufmerksamkeit, Sprache und Sprachverständnis, außerdem Lesen, Schreiben, Zeichnen und Rechnen). Die Durchführung dauert in der Regel drei bis zehn Minuten.

Die Aufgaben des MMST umfassen sowohl das Beantworten von Fragen als auch das Ausführen einfacher Handlungen (z. B. "Welches Jahr haben wir?", Nachsprechen, Blatt Papier falten und auf den Boden legen).

Für jede erfolgreich bewältigte Aufgabe bekommt der Patient einen Punkt. Die Punkte werden nach Beendigung des Tests aufsummiert. Die Skala reicht von 0 bis 30 Punkten, wobei 30 für uneingeschränkte, 0 für schwerstmöglich geschädigte kognitive Funktionen steht.

Ab Werten unterhalb von 25 Punkten liegt eine krankheitswertige Beeinträchtigung vor. Eine Punktzahl von unter 20 weist auf eine leichte bis mittlere Demenz hin, eine schwere Form liegt bei einer Punktzahl von unter 10 vor.

Selbstverständlich ist bei der Entscheidung, ob eine Patientin oder ein Patient zu einer umfangreicheren Demenzabklärung (z.B. an eine Memory Clinic) überwiesen werden soll, nicht die Punktzahl alleine entscheidend.

Das klinische Urteil soll durch einen einfachen Test keinesfalls ersetzt werden. Der Uhrentest und der MMS können als zusätzliche Entscheidungsgrundlage dienen.

Ergänzend müssen bestimmte Blutwerte analysiert werden, um andere Krankheiten auszuschließen. Bildgebende Verfahren wie CTG oder PET-Scan machen eventuell vorliegende Tumore sichtbar und geben Aufschluss über das Ausmaß der Zerstörung des Hirngewebes bei einer Alzheimer-Krankheit.

Wie verläuft die Krankheit?

Menschen mit Demenz im Anfangsstadium können weitestgehend ein normales Leben führen. Nur komplizierte Aufgaben zu erledigen, fällt ihnen schwer. Bei Schwierigkeiten mit der räumlichen Orientierung muss ggf. das Auto fahren oder die Arbeit aufgegeben werden. Hinzu können passives Verhalten und depressive Verstimmungen kommen.

Im mittleren Stadium ist eine selbstständige Lebensführung mit Unterstützung möglich. Betroffene können einfache Tätigkeiten verrichten. Mitunter entgleitet ihnen jedoch die Kontrolle. In diesem Stadium kann es auch schon dazu kommen, dass die Betroffenen nicht mehr sprechen, umtriebig sind und einen gestörten Tag- Nacht-Rhythmus haben.

Bei schweren Demenzen geht auch die Kontrolle über Appetit, Durst und andere Körperfunktionen verloren. Dadurch stellen sich alterstypische Erkrankungen ein: Muskelschwund, Unterernährung, mangelnde Bewegungskoordination, etc. Meist ist in diesem Stadium nur noch die Betreuung im Pflegeheim möglich.

Jedes der drei Stadien dauert durchschnittlich drei Jahre.

Kann man Demenz heilen?

Nein. Bis dato hat die Wissenschaft kein Mittel gefunden, welches an den Wurzeln ansetzt und die Erkrankung zurückdrängt, heilt oder sogar vorbeugend wirkt. Daran kann sich auch nichts ändern, solange die Vorgänge im Gehirn nicht aufgeklärt sind, die zur Zerstörung der Nervenzellen führen.

Seit 1996 gibt es Medikamente, die den Abbau der geistigen Funktionen um einige Monate verzögern. Diese wirken allerdings nur bei mittelschwerer bis schwerer Alzheimer-Demenz. Bei leichten kognitiven Beeinträchtigungen zeigen sie keine Wirkung.

Die beste Behandlung, die ein Demenzkranker nach heutigem Stand der Wissenschaft erfahren kann, besteht aus drei Säulen:

Bestandteile Demenz-Therapie

Jeder kann zur Besserung der Gesamtsituation beitragen!

Was kann der Staat tun:

  • auf Grundlage der demografischen Daten eine Demenz-Strategie entwickeln
  • die gesetzlichen Regelungen zur Versorgung Pflegebedürftiger den Bedürfnissen Demenzkranker anpassen
  • pflegende Angehörige unterstützen und deren Motivation auch in Zukunft erhalten, z. B. durch Anrechnung von Betreuungszeiten auf die Rente, Förderung von Teilzeitarbeit oder direkte Leistungen
  • ehrenamtliches Engagement anregen und fördern
  • Forschung fördern: sowohl biomedizinische als auch Versorgungsforschung etc.

Was können Kommunen und Kreise tun:

  • sich informieren
  • Projekte, Modelle und Internetportale studieren und gute Ideen nachahmen
  • vorhandenen Sachverstand ausfindig machen und nutzen
  • bestehende Einrichtungen und Organisationen einbinden und untereinander vernetzen
  • die Öffentlichkeit informieren
  • Diskussionsforen und andere Möglichkeiten bieten, sich mit dem Thema auseinandersetzen
  • ehrenamtliches Engagement anregen und fördern
  • Schaffung alternativer Wohnformen unterstützen

Was kann jede und jeder Einzelne tun:

  • sich informieren
  • sich engagieren
  • Vorsorge treffen
  • bei Verdacht auf demenzielle Erkrankung bei sich selbst oder nahestehenden Personen fachlichen Rat suchen bzw. abklären lassen
  • bei der Diagnose Demenz rechtzeitig Vollmachten erteilen, finanzielle und juristische Fragen regeln

Am Ende des Tages ist Pflege – egal ob mit oder ohne Demenz - eine Sache des Geldes. Eine rechtzeitige Vorsorge hilft den Lebensalltag bestmöglich zu gestalten.

 

 

Hauptquellen: Demenz-Report 2011, Berlin Institut für Bevölkerung und Entwicklung
Bundesministerium für Gesundheit (Homepage)
Der Kampf gegen das Vergessen, Bundesministerium für Bildung und Forschung, 2004

 

 

 

 

 


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