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Harninkontinenz

Definition: Unwillkürlicher Harnabgang, welcher in

  • Relative Harninkontinenz: Urinverlust unter bestimmten Umständen, z.B. beim Husten
  • Absolute Harninkontinenz: Ständiger Urinverlust

unterteilt wird.

Dabei sind Frauen wesentlich häufiger betroffen als Männer. Schätzungen zu Folge sind bis zu 50% aller Frauen zumindest einmal temporär in ihrem Leben von einer Harninkontinenz betroffen.

Einteilung und Pathogenese:

Stressinkontinenz:

Patienten verlieren unwillkürlich bei abdomineller Druckerhöhung Urin.
Dies kann z.B. beim Husten oder Pressen, körperlicher Anstrengung oder beim Wechsel vom Liegen zum Stehen auftreten.
Ursachen können ein Mangel des Hormons Östrogen nach der Menopause mit einhergehender Atrophie (Gewebsschwund) des Urogenitaltraktes und der Beckenbodenmuskulatur sein oder eine Beckenbodenschwäche nach Geburten oder Beckenbodenoperationen.
Als Folge einer radikalen Prostatektomie tritt die Stressinkontinenz bei Männern altersunabhängig auf.

Gradeinteilung:

  • Grad I: Urinverlust in aufrechter Haltung. Z.B. beim Pressen, Husten, Niesen oder Lachen
  • Grad II: Urinverlust bei leichter körperlicher Anstrengung (z.B. beim Spazierengehen
  • Grad III: Urinverlust auch im Liegen
  • Grad IV: Willkürliches Anhalten der Miktion nicht oder kaum möglich

Urgeinkontinenz (Dranginkontinenz)

Hierbei verliert der Patient schon bei geringer Blasenfüllung Urin, auf Grund eines starken, zwanghaften Harndrang. Ursächlich zu Grunde liegt hier eine Störung der Nervenstrukturen (z.B. Multipler Sklerose) oder auch Blasenentzündungen bzw. Harnsteine. Männer und Frauen sind gleichermaßen betroffen.

Reflexinkontinenz

Eine Störung der Verbindung zwischen Gehirn und den Rückenmarkzentren, die für die Blasenfunktion zuständig sind, ist bei dieser Form der Inkontinenz ursächlich. Dies kommt z.B. bei Querschnittslähmungen vor.

Überlaufinkontinenz

Durch Verengungen des Blasenausgangs staut sich Urin in der Blase, wodurch diese gedehnt wird. Wenn die Blase nun maximal gefüllt ist, „läuft Urin über" und es kommt zur Überlaufinkontinenz. Dies ist z.B. der Fall bei Prostatavergrößerungen oder bestimmten Medikamenten (Antidepressiva, Spasmolytika).

Diagnostik

Häufig kann bereits durch das Gespräch mit dem behandelnden Arzt die Inkontinenz zugeordnet werden (z.B. Fragen nach Häufigkeit des Wasserlassens, Trinkgewohnheiten, Begleitumstände der Inkontinenz). Eine körperliche Untersuchung kann Aufschluss über eine vergrößerte Prostata oder neurologische Beeinträchtigungen geben. Weiterhin lässt sich über Urodynamik (Beurteilung des Harnstrahls, Blasenfüllung, Restharnmenge), Sonographie (Ultraschall) und einer Zystoskopie (Blasenspiegelung) die Inkontinenz genau einteilen und bedarfsgerecht behandeln.

Therapie

Behandlung eines etwaigen Harnwegsinfekt, der Prostatavergößerung oder einer Fistel.

Bei Stressinkontinenz Grad I - II:

  • Konservative Therapie mit Gewichtsreduktion (bei Übergewicht)
  • Beckenbodentraining (Kräftigung des Schließmuskels)
  • Bei Frauen über 50 Jahren wird, wenn vorliegend, ein Östrogenmangel mittels Hormonpräparaten behandelt
  • Vaginale Elektrostimulation bei Schließmuskelschwäche

Bei Stressinkontinenz Grad III- IV:

  • Unterschiedliche Operationen möglich (evtl. mit Hysterektomie - Gebärmutterentfernung / Prostatektomie - Prostataentfernung)

Bei Urgeinkontinenz:

  • Bei leichten Fällen hilft bereits eine Veränderung der Trinkgewohnheiten (alle 2,5-3,5 Stunden Trinken und ca. eine halbe Stunde später Toilettengang)
  • Krampflösende, schmerzstillende Medikamente oder Muskelrelaxantien
  • Selten kann auch eine Operation helfen

Bei Reflexinkontinenz:

  • Regelmäßige Einmalkatheterisierung
  • Krampflösende Medikamente

Bei Überlaufinkontinenz:

  • Therapie der Abflussbehinderungen z.B. in der Harnröhre
  • Zur Senkung des Tonus werden alpha- Blocker verwendet
  • Zur Entspannung des Schließmuskels werden Muskelrelaxantien genutzt
  • Elektrische Stimulation der zur Harnentleerung benötigten Muskeln
  • Zusätzliche regelmäßige Einmalkatheterisierung

 

 

 


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