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Kinästhetik: Pflege in Bewegung

Kinästhetik verbessert nicht nur die Lebensqualität von mobil eingeschränkten Menschen, sondern wirkt sich auch positiv auf die Interaktion zwischen Pflegekraft und Pflegebedürftigen aus.

Pflegerin mit Frau.
© Cura Unternehmensgruppe

Längst wissen Pflegeexperten, Mediziner und Therapeuten, dass effektive, nachhaltige Fitness, Wohlbefinden und Lebensqualität eng mit körperlicher Aktivität verknüpft sind. Bewegung tut Körper, Geist und Seele gut, das weiß man nicht erst seit „Turnvater Jahn". Aber nicht jedem sind Kraft und Gesundheit bis ins hohe Alter gegeben. Kinästhetik setzt dort an, wo die Mobilität von Menschen stark eingeschränkt ist und ermöglicht Pflegebedürftigen die Reaktivierung von Bewegungsabläufen, die fast schon vergessen schienen.

Kinästhetik - ein Konzept für Körper und Geist

Die Kinästhetik als Lehre der Bewegungsempfindung hat ihren Ursprung in den Anfängen der 1970er Jahre. Die Ursprünge der konzeptionellen Entwicklung gehen auf die US-Amerikaner Frank White Hatch und Linda Sue Maietta zurück. Kinästhetik, als Übersetzung des amerikanischen „Kinaesthetics", beschreibt die Fähigkeit, Bewegungen der Körperteile unbewusst zu kontrollieren und zu steuern. Das Konzept und Maßnahmenpaket setzt sich aus Komponenten der Verhaltenskybernetik, der humanistischen Psychologie sowie aus unterschiedlichen Formen des modernen Tanzes zusammen. Das Ziel ist, das Verständnis für die eigenen Bewegungsabläufe zu fördern, sportliche oder tänzerische Leistungen zu optimieren und die eigene Körperhaltung zu verbessern. Das bedeutet aber keinesfalls, dass man Psychologe, Tänzer oder Leistungssportler zu sein braucht. Um von den positiven Potenzialen und Effekten der Kinästhetik profitieren zu können, reicht weit weniger aus.

Kinästhetik in der Pflege - willkommene Effekte für alle Beteiligten

Die Begründer Hatch und Maietta tauschten sich über ihr entworfenes Konzept mit Experten unterschiedlichster Professionen aus, so auch mit Pflegeexperten. Unter anderem standen sie in Dialog mit Karel Bobath, dem Begründer des Bobath-Konzeptes, mit Liliane Juchli, die die Entwicklung, Professionalisierung und Lehre der Pflege nachhaltig beeinflusste, sowie mit der Pflegewissenschaftlerin Nancy Roper. Die Schweizer Krankenschwester Suzanne Schmidt-Bernard, die 1981-1984 eine Kinästhetik-Ausbildung bei den Begründern absolvierte, erkannte schließlich den Nutzen der Kinästhetik für die Krankenpflege und entwickelte kinästhetische Übungen sowohl für Pflegebedürftige als auch für Pflegeexperten. 1983 hielt sie in der Schweiz das erste Seminar „Kinästhetik in der Krankenpflege" ab. So entwickelte sich aus der Ursprungsidee der Kinästhetik als „ein Weg guten Berührens und Bewegens" zunächst ein Konzept für die Krankenpflege. Heute bewährt es sich längst auch in der Altenpflege und -hilfe.

Zwei Pflegerinnen sitzen mit alter Frau auf dem Bett.
© Cura Unternehmensgruppe

Die Kinästhetik beschreibt, wie durch bestimmte Bewegungsabläufe, z. B. im Heben und Tragen, die Bewegung Pflegebedürftiger und der Pflegekräfte schonend unterstützt werden kann. Vor allem wird über Berührung und Bewegung die Interaktion gefördert und eine bewusste Kommunikation zwischen den Akteuren hergestellt oder verbessert. Diese (re-)aktivierte Kommunikation kann sich in der Folge wiederum fördernd auf die grundsätzliche Motivation eines Pflegebedürftigen oder auch auf die der Pflegeperson auswirken. Man kann durchaus von einer positiven Kettenreaktion sprechen.

Die bewegungsdialogischen Komponenten durch die Konzentration auf die Entwicklung und das Lernen im Lebensprozess stehen stets im Vordergrund. Die Methode der Kinästhetik unterstützt die Fähigkeit, die Muster der menschlichen Bewegung bewusst wahrzunehmen. Kinästhetiker nutzen gezielt das Wissen, dass der Körper stets dem Wechsel zwischen Spannung und Entspannung ausgesetzt ist. Dadurch werden Wahrnehmungsprozesse eröffnet und unterstützt sowie Möglichkeiten geschaffen, gezielt Bewegungen aktiv zu kontrollieren. So kann der bewussten Wahrnehmung eine ebensolche Bewegung folgen, die z. B. gezielt unterstützt, entspannt, deeskaliert oder reguliert.
Kinästhetisches Arbeiten ist viel mehr als nur das bloße unterstützende Heben, Drehen oder Bewegen.

Durch die kinästhetischen Prinzipien wird das pflegerische Handeln, insbesondere in der Mobilisation, positiv unterstützt, indem die Aktion selbst bewusst eingegangen und als interaktiver Prozess und zwischenmenschliches Berühren verstanden wird. „Der Transfer vom Bett in den Rollstuhl ist zum Beispiel eine Routineaktion, die für gutes Gelingen, neben Kraft und Wissen um Bewegungsabläufe, auch Vertrauen voraussetzt. Je besser die Beteiligten um die Situation wissen, umso leichter wird das Interagieren", berichtet Cécile Koslowski, Leiterin des Zentralen Qualitätswesens der Cura Unternehmensgruppe.

Kinästhetik ist lernbar - man muss es wollen

In einer Pflegeeinrichtung mit dem kinästhetischen Konzept zu arbeiten, ist eine grundlegende Entscheidung. Kinästhetik bedarf der grundsätzlichen Haltung des bewussten Miteinanders und dem Willen zur physischen und psychischen Interaktion und Kommunikation. Alle Mitarbeiter werden von einem Kinästhetiklehrer geschult und über eine gewisse Zeit auch intensiv in der Praxis begleitet. Nach der intensiven Schulungszeit hört das Lernen, Weiterentwickeln und Praktizieren aber nicht wieder auf.

„Kinästhetik ist keine Therapie, die irgendwann endet. Sie ist und bleibt das Prinzip aller Akteure im täglichen bewussten Miteinander. Durch Kontinuität und Konsequenz wirken die Effekte, die den Menschen stärken, nachhaltig. Unsere Mitarbeiter und Bewohner sind immer wieder erstaunt über die Erfolge, erleben diese aber täglich. Das bestätigt uns darin, Kinästhetik weiter auszubauen und dieses Prinzip zu einem Grundsatz zu machen, denn es stärkt Mitarbeiter und hilft Pflegebedürftigen", so Koslowski weiter.

Kinästhetik zweifach wertvoll - Pflegeerfolg und Gesundheitsprävention für Mitarbeiter

Kinästhetik bringt Mobilität auch bei Bewohnern zurück, bei denen man aktive Teilhabe schon gar nicht mehr für möglich hielt. Durch bewusste Bewegung und Berührung entstehen Motivation, Vertrauen und ein Miteinander, das mehrfach positive Effekte hat. Pflegebedürftige und Pflegende profitieren von der kinästhetischen Interaktion physisch wie psychisch durch enorme Entlastung und Unterstützung. Kinästhetik kommt somit auch eine präventive Wirkungsweise zu, da die Umsetzung des Konzepts die körperliche Belastung für Pflegekräfte reduziert und gesundheitsförderndes Arbeiten stärkt.


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