Anzeige


Testament

Alles Wissenswertes rund um das Testament.

Statue der Justitia.
© Paul Hill | Fotolia.com

Testierfähigkeit

Wer Volljährig und voll geschäftsfähig ist, hat prinzipiell das Recht ein Testament zu erstellen. Voraussetzungen für Minderjährige: Wer das 16. Lebensjahr vollendet hat, kann ebenfalls ein Testament erstellen. Es sind keine Zustimmung der Eltern bzw. sonstige gesetzliche Vertreter erforderlich.
Sie haben die Freiheit zu entscheiden was Sie mit ihrem Erbgut vorhaben, jedoch kann dieses durch einen Erbvertrag oder ein gemeinschaftliches Testament geschmälert werden. Allerdings ist es nichtig wenn Sie sich mit einem Vertrag verpflichten, ein Testament zu verfassen oder bestimmte Regeln (Verfügungen) erbrechtlichen Inhalts zu unterlassen (wegzulassen).
Eine Vertretung ist undurchführbar. Ihr Testament oder Erbvertrag, also ihre Verfügung von Todes wegen, können nur Sie alleine erfassen.

Wer kein Testament errichten kann

Ein Testament kann nicht errichtet werden,

  • Wenn der Verfasser sich gerade in einer vorübergehenden krankhaften Störung der Geistestätigkeit befindet und nicht mehr denkfähig handeln und die Bedeutsamkeit seiner Willensäußerung (Willenserklärung) nicht mehr erkennen kann. Dem Betroffenen bzw. dem Erkranktem ist beispielsweise zurzeit nicht bewusst, welche Auswirkung und Inhalt seine Erklärung mit sich bringt, dieses Geschehen ist für Ihn nicht nachvollziehbar. Im Fall einer Änderung des Gesundheitszustands, zum Beispiel wenn eine Gedächtnisstörung nicht mehr besteht, ist der Erkrankte wieder voll testierfähig.
  • wenn das 16.Lebensjahr noch nicht vollendet ist.

Testierfähigkeit von Betreuten

Die vorläufige Vormundschaft und Entmündigungen existieren seit dem 1.Januar 1992 nicht mehr. Demnach werden Sie durch Anordnung einer Betreuung ersetzt. Dem Betreutem kann die Testierfähigkeit angesichts seines Gesundheitszustands wiedersagt (ausgeschlossen) werden. Wenn keine Einschränkungen vorliegen, ist der Betreute unbeschränkt testierfähig. Für die Erstellung einer letztwilligen Verfügung des Betreuten ist keine Einwilligung des Betreuers vorgesehen.

Das „Testament" eines Testierunfähigen

Ist die Testierfähigkeit in der Zeit in der das Testament errichtet wurde, nicht vorhanden, wird das Testament nicht von alleine wirksam, sollte auch zu einem späteren Zeitpunkt die Testierfähigkeit vorliegen. Sollte ein Entmündigter vor dem 1.Januar 1992 oder ein Minderjähriger mit 14 Jahren ein Testament errichtet haben, wird dieses weder mit der Vollendung des 16.Lebensjahres oder mit der Anordnung der Betreuung gültig, noch wird sie genehmigungsfähig.

Ärztlichen Rat einholen

Sollten Sie Bedenken haben, dass Dritte Unglaube an Ihrer Testierfähigkeit einreichen, können Sie sich bei Ihrem Hausarzt oder Hausärztin beraten lassen und sich ein ärztliches Gutachten einholen.

Wer trägt die Beweislast

Wer im Erbfall die Nichtigkeit des Testaments anführt, muss die Testierunfähigkeit beweisen. In solchen Fällen kann ein ärztliches Attest von großer Bedeutung sein, damit Sie sich den Wunsch für die Regelung Ihres Nachlasses erfüllen können!

Verschiedene Testamentsformen

Es wird durch das Gesetz zwischen ordentlichen Testamentsformen und Nottestamenten unterschieden. Letztere kommen quasi nicht vor. Die Regel sind folgende Formen:

  • Öffentliches Testament
  • Eigenhändiges Testament

Öffentliches (notarielles) Testament

Die Errichtung ist in zwei Formen möglich: Sie können Ihr Testament zur Niederschrift eines Notars errichten, indem Sie dem Notar Ihren letzten Willen erklären. Die gebräuchlichste Form ist hierbei die mündliche Erklärung. Der Notar legt dieses dann schriftlich nieder. Die Niederschrift wird vom Notar vorgelesen, falls keine zusätzlichen Bemerkungen hinzugefügt werden, wird Sie von Ihnen und dem Notar unterschrieben. Die mündliche Erklärung ist seit dem 1. August 2002 kein muss mehr. Durch Erklärung kann daher ein Sprechunfähiger mit Unterstützung eines Gebärdendolmetschers ein notarielles Testament errichten. Er muss sie nicht durch Übergabe einer Schrift tun. Ein notarielles Testament eines 16-jährigen kann nur durch Erklärung oder Übergabe einer offenen Schrift errichtet werden. Sie können aber auch Ihr Testament durch Übergabe einer offenen oder verschlossenen Schrift tätigen, welche nicht selbst von Ihnen geschrieben sein muss. Die Testierfähigkeit wird vom Notar geprüft. Das Ergebnis der Prüfung wird im notariellen Testament bestätigt.
Ihr Testament sollten Sie mit Angaben über den Ort der Errichtung und dem Zeitpunkt der Abfassung des Testaments versehen. Diese Angaben können für die Entscheidung bei Vorliegen mehrerer Testamente sehr hilfreich sein um das entsprechende gültige herauszufinden. Halten Sie die Formvorschrift ein, ist es nicht von Bedeutung, ob Sie Ihr Testament auf einem Rezeptblock oder Briefblock zusammenstellen. Die Abänderung von Schreibfehlern ist in Ihrem Testament problemlos möglich. Korrekturen und Ergänzungen sollten in Nachträgen vorgenommen werden.

Eigenhändiges Testament

In der Praxis werden letztwillige Verfügungen des Öfteren in der Form des eigenhändigen Testaments protokolliert. Zur Errichtung eines eigenhändigen Testamentes ist es erforderlich, dass der Erblasser dieses vollständig, selbst mit der Hand schreibt. Eigenhändig bedeutet also: selbst von Ihnen per Hand geschrieben! Auch müssen sie selbst unterschreiben und zwar grundsätzlich mit Ihrem Vor- und Familiennamen. Sollten Sie Ihr Testament mit einer Familienbezeichnung („Euer Vater") oder mit einem Namenskürzel unterzeichnen, können Verwirrungen, Ungewissheit und Ernsthaftigkeit Ihrer Erklärung auftreten. Den Namen irgendwo mitten im Text anzubringen ist sinnlos, da dieses für die Wirksamkeit nicht ausreicht. Die korrekte Vorgehensweise ist also, die Unterschrift unter den Text zu setzen. Nur so können jegliche Anordnungen klar von Ihrem Testierwillen versehen (umfasst) werden. Eine Tonbandaufnahme, sowie der Gebrauch eines Computers oder die Benutzung einer Schreibmaschine können ebenfalls zur Nichtigkeit Ihres Testaments führen. Ist dieses der Fall, können Sie nur noch ein notarielles Testament errichten. Kann der Erblasser nicht oder nicht mehr schreiben, ist ein Testament nur noch durch einen Notar zu errichten.

Aufbewahrung des eigenhändigen Testaments

Ihr eigenhändiges Testament können Sie an jedem beliebigen Ort aufbewahren. Allerdings sollten Sie dafür sorgen, dass vertrauenswürdige Personen von dem Aufbewahrungsort wissen und das Testament ggf. beim Nachlassgericht abgeben. Andernfalls besteht die Gefahr, dass das Testament nicht oder erst längere Zeit nach dem Erbfall aufgefunden wird. Es besteht immer die Gefahr, dass ein nicht mitaufgenommener gesetzlicher Erbe ein für Ihn nachteiliges Testament vernichtet.

Aufbewahrung des Testaments beim Amtsgericht

Im Gegensatz dazu stellt sich die Frage nach einem geeigneten Aufbewahrungsort bei einem notariellen Testament erst gar nicht, denn dieses wird stets beim Amtsgericht, welches für den Sitz des Notars zuständig ist, hinterlegt. Ein öffentliches Testament läuft demnach nicht Gefahr von einer anderen Person vernichtet zu werden, weil es dem Gericht vorliegt und zudem vor einem Notar errichtet wird.
Natürlich kann ein Erblasser die Herausgabe seines beim Amtsgericht hinterlegten Testaments fordern, aber hierbei gibt es einiges zu beachten. Wird ein eigenhändiges Testament, das freiwillig gerichtlich hinterlegt wurde, zurück gefordert, bleibt dieses nach wie vor wirksam und findet im Falle des Todes des Erblassers trotz der Herausgabe Anwendung. Bei einem notariellen Testament gestaltet sich dies wiederum vollkommen anders, denn mit der Herausgabe durch das Amtsgericht verliert dieses Dokument seine Gültigkeit. Dann gilt wieder die gesetzliche Erbfolge und zwar bis zu dem Zeitpunkt, wo er ein neues Testament macht, d.h. Sie sollten unverzüglich ein neues Testament errichten lassen.
Das Nachlassgericht berechnet für die Verwahrung eines Testaments eine einmalige Gebühr von 75,00 EUR nach dem Gerichts- und Notarkostengesetz (GNotKG).

Der Hinterlegungsschein

Der Erblasser erhält vom Amtsgericht einen Hinterlegungsschein für das in Verwahrung gegebene eigenhändige Testament. Diesen Schein sollte man ebenso an einer sicheren Stelle aufbewahren. Gegen Vorlage des Hinterlegungsscheins kann jederzeit die Herausgabe des Testaments verlangt werden. Die Herausgabe erfolgt jedoch nur an den Erblasser persönlich. Wird ein notarielles Testament herausgegeben, so gilt dieses als widerrufen.

Zentrales Testamentsregister

Seit dem 1.1.2012 betreibt die Bundesnotarkammer das Zentrale Testamentsregister für Deutschland. Das Register dient dem Auffinden von amtlich oder notariell verwahrten erbfolgerelevanten Urkunden, damit das Nachlassgericht im Sterbefall schnell und vor allem richtig entscheiden kann. Erforderliche Daten werden im Zentralen Testamentsregister von der Bundesnotkammer festgehalten. In das Zentrale Testamentsregister werden diejenigen Verwahrangaben zu notariellen Urkunden und solchen eigenhändigen Testamenten, die in besondere notariellen oder amtliche Verwahrung verbracht worden sind und erst einmal alle ab dem 1. Januar 2012 gelten, aufgenommen und erforderlich sind, um diese Urkunden im Sterbefall schnell und sicher aufzufinden. Daten müssen auf elektronischem Weg geliefert werden, dazu sind Gerichte und Notare verpflichtet. Ebenfalls melden die Standesämter ab 1.Januar jeden Sterbefall elektronisch dem Zentralen Testamentsregister. Diese leiten es dem zuständigen Nachlassamt weiter mit der Benachrichtigung über die registrierten Verwahrdaten und welche entsprechende Verwahrstelle mit diesem Sterbefall zu tun hat. Die Bundesnotarkammer erhebt für Eintragungen in das Zentrale Testamentsregister Gebühren in Höhe von 15,00 €, die vom Erblasser zu begleichen sind. Durch das zentrale automatisierte elektronische Verfahren kann die Nachlassabwicklung schneller durchgeführt werden. Die bislang auf Karteikarte festgehaltenen Testamentsverzeichnisse bei den Standesämtern werden mit der Zeit in das zentrale Testamentsregister übergehen. Für die bestehenden Fälle leiten die Standesämter die Daten an die Nachlassgerichte weiter.
Dass im Erbfall ein hinterlegtes Testament nicht beachtet wird, ist sehr unwahrscheinlich, denn durch die Kooperation bzw. den perfekten Austausch mit den Standesämtern, Nachlassgerichten und durch das zentrale Testamentsregister wird sie garantiert nicht vergessen. Neben dieser guten Zusammenarbeit erfolgt die Unterrichtung der Nachlassgerichte durch das elektronische Verfahren rascher.

Was geschieht bei Rücknahme eines Testaments

Ein notarielles Testament, das sich in amtlicher Verwahrung beim Nachlassgericht befindet, können Sie als Erblasser jederzeit wieder aus der Verwahrung herausnehmen. Dann verliert das Testament allerdings seine Wirksamkeit, denn bereits die Rücknahme gilt als Widerruf Ihrer letztwilligen Verfügung des hinterlegten Testaments. Für handschriftliche Testamente gilt das hingegen nicht. Sie bleiben trotz der Rücknahme aus der Verwahrung weiterhin wirksam. Daraus ergibt sich also, bei Rücknahme des privatschriftlichen Testaments bleibt der letzte Wille unberührt bestehen, diese sich jedoch bei einem notariellen Testament ändert, und zwar gilt bei Rücknahme sofort wieder die gesetzliche Erbfolge.

Widerruf, Änderungen und Ergänzungen

Ein Testament muss nicht für die Ewigkeit gemacht sein. Der Imhalt des Testaments sollte regelmäßig überprüft und ggf. geändert werden. Ändern sich Ihre persönlichen Lebensumstände, wie zum Beispiel Ihr Vermögen, das Sie vererben, oder treten neue Menschen in Ihrem Leben auf oder der Kreis der von Ihnen Bedacht ist verändert sich, dann besteht unter Umständen das Bedürfnis, dass der Erblasser den Inhalt seines Testaments ändert oder ergänzt.
Bei einem Widerruf hingegen muss folgendes beachtet werden:

  • Der Widerruf muss höchstpersönlich vorgenommen werden.
  • Testierfähigkeit muss vorliegen.
  • Abänderung nur höchstpersönlich.

Das Testament sollte vernichtet werden! Möchten Sie ein Streit, ob das Alte Testament wirklich ernsthaft aufgelöst worden ist oder nicht, vermeiden wollen, wäre der sicherste Weg, bei einem Wunsch Ihr eigenhändiges Testament zu widerrufen es zu zerreißen und wegzuwerfen. Noch ein weiterer Punkt kann im Erbfall zum Streit führen, denn, ist das Testament nur durchgestrichen und hat den Vermerk „ungültig", könnte eine Ungewissheit auftreten, mit der Frage, ob diese Streichung vom Erblasser tatsächlich getätigt wurde. Durch die Errichtung eines Widerrufstestaments muss eindeutig klar der Willen geäußert werden das gesamte Testament aufzuheben, wenn das Testament nicht vernichtet werden soll.

Mit einem Widerrufstestament widerrufen. Ein Widerrufstestament kann dann errichtet werden, wenn Sie das bereits bestehende Testament aufheben möchten, ohne irgendwelche neue Angaben treffen zu wollen. Dadurch wird nur die letztwillige Verfügung früher aufgehoben, mit dem Resultat, dass anschließend wieder die gesetzliche Erbfolge gilt. Sie können sich frei entscheiden, welche Form Sie für das Widerrufstestament wählen. Es besteht die Möglichkeit ein privatschriftliches Testament durch ein weiteres privatschriftliches oder durch ein notarielles zu widerrufen und andersrum.

Widerruf eines notariellen Testaments

Mit dem Hinterlegungsschein, welchen man für die Hinterlegung eines Testaments erhält, kann man gegen Rückgabe vom Amtsgericht ein notarielles Testament aushändigen und widerrufen lassen.

Testamente mit widersprüchlichem Inhalt

Existieren zwei Testamente mit verschiedenen Inhalten, so gilt das letzte bzw. das später errichtete. Beide können nicht in Betracht genommen werden, deshalb wird das erste Testament durch das zweite widerrufen.

Widerruf durch Änderungen und Ergänzungen

Änderungen und Ergänzungen Ihres Testaments sind jederzeit erlaubt. Ob und in welchem Umfang sie bereits in ihrem früheren Testament festgelegte Angaben widerrufen möchten, müssen Sie jedoch vorher überprüfen.

Gemeinschaftliches Testament

Das gemeinschaftliche Testament umfasst beide Verfügungen eines Paares, bestehend aus zwei Testamenten in einem Schreiben. Seit dem 1.August 2001 haben auch eingetragene Lebenspartner die Möglichkeit, ihren letzten Willen in einem gemeinschaftlichen Testament zu äußern. Für Paare ohne Trauschein oder Verlobte besteht diese Möglichkeit biislang nicht. Welche Form (eigenhändig oder notariell) gewählt wird, bleibt Ihnen überlassen.

Ein gemeinschaftliches Testament ändern

Unkompliziert ist die Änderung oder Aufhebung eines gemeinschaftlichen Testaments, wenn sich beide Ehepartner darüber einig sind. Ist dies der Fall, können Sie die Aufhebung oder Änderung einfach in einem neuen gemeinschaftlichen Testament erklären.
Will nur einer der Partner die Änderung oder Aufhebung, muss er das gemeinschaftliche Testament widerrufen. Der Widerruf muss vor dem Notar erklärt werden, also in notarieller Form. Die Widerrufserklärung wird erst wirksam, wenn sie dem Ehepartner zugeht. Da der widerrufende Ehepartner im Streitfall den Zugang beweisen muss. Dieses bedeutet, bei Widerruf der wechselbezüglichen Verfügungen durch ein Partner verliert der andere Partner automatisch die Wirksamkeit der entsprechenden Verfügungen.
Einseitige, also nicht wechselbezügliche Verfügungen kann einseitig jeder Ehegatte durch eine testamentarische Verfügung jederzeit frei widerrufen.

 

Quelle: Christian Lang, M.Sc., LL.M.

Suchmodule


Anzeige